Rückblick auf die 17. KPV – dieses Mal mit Höhenflug
Am 3. Juli 2025 fand die 17. Konsortialpartnerversammlung (KPV) von AIRlabs Austria erstmals inmitten eines unserer aktiven Testgebiete statt: in Frein an der Mürz, im Fluggebiet LO R9 Steinalpl.
Bereits am Vortag machten sich unsere Projektleiter auf den Weg, um die Location vorzubereiten, das Equipment zu testen und die Umgebung zu erkunden. Und dabei zeigte sich schnell: Frein an der Mürz bietet mehr als nur ideale Bedingungen für Drohnentests.
Nicht nur der Veranstaltungsort sorgte dieses Mal für ein besonderes Erlebnis – auch das erweiterte Teilnehmerfeld trug dazu bei. Neben langjährigen Konsortialpartner:innen durften wir auch externe Gäste aus Forschung, Wirtschaft und Verwaltung willkommen heißen und ihnen ein vielfältiges Programm bieten.
AIRlabs Testgebiete, Radar und Vision: So gestalten wir die Drohnenzukunft
Empfangen wurden die Teilnehmenden bei strahlendem Sonnenschein im Freinerhof, wo der Tag mit Kaffee und offenem Austausch startete. Die offizielle Begrüßung fand im benachbarten Veranstaltungssaal statt. AIRlabs-Geschäftsführerin Roswitha Wiedenhofer-Bornemann eröffnete die Veranstaltung und übergab anschließend das Wort an Herrn Peter Tautscher, Bürgermeister der Gemeinde Neuberg an der Mürz. In seinen Grußworten betonte er die besondere Nachbarschaft zur Testregion und wie er und die Gemeinden unsere Tätigkeiten gespannt mitverfolgen.
Es folgte ein kompakter Einblick in den aktuellen Stand des Innovationslabors durch die Geschäftsführung von AIRlabs. Tom Bruchmann, Projektleiter bei AIRlabs Austria, informierte im Anschluss über aktuelle Entwicklungen in den Testgebieten und stellte zentrale technische Komponenten wie das Radar-System ELVIRA von Robin Radar näher vor. Dieses ist bis Juni 2035 bewilligt und an den Standorten Frauschereck, Steinalpl sowie am Flugplatz LOGG Punitz in Betrieb.
Neben den technischen Einblicken gab er auch wichtige Neuigkeiten zur zukünftigen Verfügbarkeit der Testgebiete bekannt: Das Gebiet Steinalpl wurde bis Ende 2029 verlängert, für Frauschereck und Reichersberg ist eine Verlängerung bis Ende 2030 beantragt.
Mit Blick auf die strategische Weiterentwicklung fokussiert AIRlabs auf eine noch stärkere Bündelung bestehender Infrastrukturen, die gezielte Fokussierung auf ein zukunftsfähiges Testzentrum unter Beibehaltung der besonderen Alleinstellungsmerkmale, die Anpassung an aktuelle technologische und regulatorische Entwicklungen, die Erhöhung der Betriebssicherheit sowie eine gesteigerte Auslastung durch ein attraktives Leistungsangebot – stets in enger Einbindung des AIRlabs-Netzwerks.
In der anschließenden offenen Diskussionsrunde wurde betont, dass AIRlabs mit seinen alpinen Testgebieten bewusst einen anderen Weg geht – fernab dichter Besiedelung, aber mit gezielt gewählter Topografie, die BVLOS-Flüge, Wetterextreme und Höhenlagen ermöglicht. Bedingungen also, die dem realen Einsatzszenario näherkommen – etwa im Bereich Icing, einem Forschungsschwerpunkt von AIRlabs.
Besonders wertvoll empfanden Teilnehmende zudem die Rolle von AIRlabs im regulatorischen Prozess: als Partner:in, die nicht nur Testinfrastruktur bietet, sondern auch mit praktischer Erfahrung und fachlicher Beratung bei Genehmigungen unterstützt.
Diese Inhalte bildeten auch die Grundlage für den anschließenden AIRlabs 2.0 Pitch. Dabei präsentierte die Geschäftsführung das weiterentwickelte Mitgliedermodell sowie zukünftige Ziele und Visionen – darunter verstärkte Kooperationen, neue Nutzungsszenarien und langfristige Entwicklungsperspektiven.
AIRlabs 2.0: Von der Fördergeschichte zur Zukunftsstrategie
Holger Friehmelt, technisch-wissenschaftlicher Direktor bei AIRlabs, eröffnete den Pitch mit einem kurzen Rückblick auf die Entwicklungsgeschichte von AIRlabs. Das Innovationslabor wurde ursprünglich unter dem damaligen BMVIT initiiert, führte seinen Weg über das BMK und ist nun im BMIMI-Förderkontext angesiedelt. Von Beginn an verfolgte AIRlabs zwei Perspektiven: Einerseits die Außensicht der Fördergeber – mit Fokus auf Anwendungen und Infrastruktur –, andererseits die Sicht der Community, die konkrete Anforderungen an großflächige Testgebiete mit spezifischen Ground-Risk-Charakteristika stellte, insbesondere dort, wo Lufträume geschlossen werden können und rechtliche Hürden vergleichsweise niedrig sind.
Holger Friehmelt betonte, dass sich die Rahmenbedingungen seit den Anfangsjahren grundlegend verändert haben: Kein europäisches Regulativ, der Lockdown, ein dominanter Drohnenmarkt aus China – all das war zum Start von AIRlabs Austria in 2020 Realität. Mit AIRlabs 2.0 stellt sich nun die Frage: Was macht ein attraktives Portfolio für die nächste Phase aus?
Dabei stehen Anwendungen im Vordergrund, die den tatsächlichen Bedarf treffen und einen nachhaltigen Nutzen für die Gesellschaft generieren – insbesondere dort, wo öffentliche Mittel eingesetzt werden. Entscheidend sei, so Holger Friehmelt, dass Technologien nicht allein auf Innovationsniveau bestehen bleiben, sondern in konkreten Business Cases münden, die auch bei Endkund:innen ankommen.
Drohnenakzeptanz stärken: Information, Verantwortung und regionaler Dialog
Ein besonderer Fokus lag auch auf der gesellschaftlichen Akzeptanz von Drohnentechnologie. Holger Friehmelt verwies auf die wichtige Rolle von Informationsarbeit und Aufklärung – etwa durch gezielte Dissemination in den Regionen, in denen getestet wird, beispielsweise über lokale Akteur:innen wie die „Mürzpanther“ im Gebiet. Auch Geschäftsführerin Roswitha Wiedenhofer-Bornemann betonte, dass Ängste in der Bevölkerung – verstärkt durch Kriegsgeschehen und negative Berichterstattung – ernst genommen werden müssen. Umso wichtiger sei es, den Nutzen von Drohnen für lebenswichtige Anwendungen sichtbar zu machen.
Dass dieser Ansatz auch lokal Anklang findet, zeigte sich in einem kurzen Austausch mit dem Bürgermeister: Er berichtete, in seiner Gemeinde bislang keine negativen Rückmeldungen zum Thema Drohnen erhalten zu haben – im Gegenteil: Er sehe die Notwendigkeit etwa bei Feuerwehr-Suchaktionen oder der Bekämpfung von Waldbränden.
Lastendrohne – „Fluch oder Segen“
Ein Highlight des inhaltlichen Programms war der Vortrag von Stefan Hölzl-Strohmayr (Strohmayr Trade & Consulting e.U.) zum Thema „Lastendrohnen – Fluch oder Segen?“. Gleich zu Beginn stellte er die zentrale Frage in den Raum: Handelt es sich bei Lastendrohnen um eine technische Spielerei – oder um die Lösung realer Herausforderungen? Eine Frage, die für gespannte Aufmerksamkeit sorgte und die Neugier auf die „Auflösung“ weckte.
Im Vortrag wurden zunächst typische Vorbehalte thematisiert – etwa die Angst vor Überwachung, der Verlust von Arbeitsplätzen oder eine generelle Skepsis gegenüber automatisierten Systemen. Diesen Bedenken stellte Hölzl-Strohmayr jedoch konkrete Anwendungsfelder gegenüber: Lastendrohnen können dort eingesetzt werden, wo Versorgungsengpässe bestehen, die Topografie den Zugang erschwert oder keine Alternativen verfügbar sind – etwa im Katastrophenschutz oder in entlegenen Regionen.
Auch die damit verbundenen Herausforderungen kamen zur Sprache: technische Machbarkeit, regulatorische Anforderungen und Fragen der Skalierbarkeit. Der Blick auf internationale Vorreiter zeigte, dass viele Länder bereits konkrete Schritte in Richtung Lastendrohnenlogistik gesetzt haben – oft unterstützt durch starke Netzwerke zwischen Forschung, Industrie und Behörden.
Höhenluft, Technik und Teamgeist: Unser Nachmittag am Steinalpl
Nach der gemeinsamen Mittagspause im Freinerhof, die auch netzwerktechnisch intensiv genutzt wurde, wurde es dann ernst mit dem versprochenen Höhenflug. Gemeinsam ging es hinauf ins Testgebiet am Steinalpl, genauer gesagt zum Startplatz Bärenkögerl.
Schon die Fahrt dorthin hatte Abenteuerpotenzial: Staubwolken auf der steilen Schotterstraße sorgten für eingeschränkte Sicht, was jedoch keinesfalls die Stimmung drückte. Und ein kleines Learning nahmen wir ebenfalls mit: Walkie-Talkies sind nicht nur für den Flugbetrieb Gold wert – auch unsere Autos sollten wir künftig damit ausstatten.
Oben angekommen, wurden wir mit einer atemberaubenden Aussicht belohnt: Almen, schroffe Berghänge, grüne Täler – und etwas abseits eine sonnenbadende Kuhherde, die das Geschehen aus sicherer Entfernung beobachtete.
Sicherheit vor dem Start: Briefing am Bärenkögerl
Den Auftakt im Testgebiet machte Tom Bruchmann, Flight Operations Lead bei AIRlabs, mit einer professionellen Einführung und einem Sicherheitsbriefing. Auch wenn der Tag bisher von lockerer Stimmung geprägt war – hier wurde es spürbar ernst. Denn eines steht fest: Sicherheit hat bei unseren Flugtests und -demos oberste Priorität.
Praxis trifft Präzision: Der NIST-Parcours im Echtbetrieb
Anschließend zeigte Kristóf Gombás, Operator, in beeindruckender Präzision den NIST-Parcours in Aktion (weitere Infos finden Sie unter: Link). Er meisterte die spontanen Aufgaben aus dem Publikum souverän, während Holger Friehmelt gleichzeitig die Geschichte und technischen Hintergründe des Parcours erklärte – ein gelungener Mix aus Praxis und Kontext.
Fernflug, Radar und Teamspirit: Technologie zum Anfassen
Ein weiteres Highlight war der Drohnenflug mit unserer DJI Matrice 300 RTK, die in beeindruckender Entfernung bis zu einem weiteren Startplatz geflogen wurde. Nur das blinkende Positionslicht war – für geübte Augen – noch am Himmel zu erkennen. Währenddessen erläuterte Tom Bruchmann live, welche Objekte das Radar gerade sichtbar machte – darunter vorbeiziehende Vögel und selbstverständlich unsere Drohne. Das sorgte nicht nur bei den Gästen für Staunen, sondern auch innerhalb des AIRlabs-Teams.
Wetterumschwung mit Forschergeist
Als sich dunkle Wolken über den Berghängen zusammenzogen, machten wir uns auf zur nahegelegenen Wildalmhütte, wo neben einer Jause die Zeit für Nachbetrachtungen und Überlegungen künftiger gemeinsamer Aktivitäten genutzt wurde. Ein begleitendes Gewitter, Hagel und starker Regen sorgten dafür, dass ein Großteil der Gruppe in die Hütte flüchtete – während einige beherzte Gäste das Naturspektakel draußen sogar genossen.
„Da erkennt man die Forscher:innen mit Leib und Seele“, kommentierte Robin Deutsch lachend – und verfolgte das Hagel-Fotoshooting eines IFIRE-Projektpartners mit sichtlicher Begeisterung.
Mehr als ein Netzwerktreffen: Ein Tag mit Weitblick und Wirkung
Die 17. Konsortialpartnerversammlung war für AIRlabs Austria mehr als nur ein reguläres Netzwerktreffen – sie war ein Experiment, ein Erlebnis und ein voller Erfolg. Das Zusammenspiel aus fachlichem Austausch, beeindruckender Umgebung und gemeinsamer Praxis hat gezeigt, wie viel Potenzial in diesem Format steckt, wenn wir es gemeinsam weiterdenken.
Wir bedanken uns herzlich bei allen Teilnehmenden – für das Interesse, die spannenden Gespräche, den offenen Austausch und den Mut, neue Wege mit uns zu gehen.
Die nächsten Ideen für 2026 liegen bereits in der Luft – im wahrsten Sinne des Wortes.