2. AIRlabs Expert:innengespräch
„Das Henne-Ei-Problem in Mobilfunknetzen – Fördert die 5G/6G-Technologie Anwendungen oder treibt die Nachfrage der Nutzer die technologische Entwicklung voran?“
Nachlese
AIRlabs Austria hat einen Workshop mit Experten aus Industrie und Forschung veranstaltet, um die Chancen und Risiken der 5G/6G-Technologien in der Drohnenindustrie zu analysieren.
Der Workshop trug den Titel „Das Henne-Ei-Problem in Mobilfunknetzen – Fördert die 5G/6G-Technologie Anwendungen oder treibt die Nachfrage der Nutzer die technologische Entwicklung voran?“ Die folgenden Experten wurden eingeladen und diskutierten relevante aktuelle Erkenntnisse und Erfahrungen im Bereich des Potenzials der 5G/6G-Technologie in der Drohnenindustrie:
- Selene Horner, Head of IoT & Smart Services A1 Austria
- Andreas Kercek, Research Manager Lakeside Labs
- Herbert Mittermayr, Nokia Bell Labs Consulting
- Bernd Stockinger, CEO Citycom
- Alexander Sysoev, Managing Director Ericsson Austria
Im Namen der AIRlabs Austria GmbH nahmen Roswitha Wiedenhofer-Bornemann und Karl Fesl als Vertreter der Geschäftsführung an dem Expertengespräch teil, Holger Friehmelt war als technischer wissenschaftlicher Direktor dabei und wurde von Tom Bruchmann, dem technischen Projektleiter, begleitet.
Wir möchten uns bei den Teilnehmern unserer Partner Nokia Solutions und Ericsson Austria für ihre Unterstützung und das Sponsoring dieses Expertengesprächs bedanken. Außerdem möchten wir allen Teilnehmern von Citycom, Lakeside Labs und A1 für ihr Engagement danken.
Die Kommunikation und Steuerung von Drohnen erfordert eine kontinuierliche, stabile und schnelle Konnektivität, um ein hohes Maß an Zuverlässigkeit und Sicherheit zu gewährleisten. Diese technischen Spezifikationen sind notwendige Voraussetzungen für den Einsatz von 5G/6G-Technologien in sicherheitskritischen Drohnenoperationen, wie z. B. Manövern außerhalb der Sichtweite (Beyond Visual Line of Sight, BVLOS).
5G/6G ermöglichen die Konnektivität einer Vielzahl von Geräten und sind daher ein wichtiges Instrument zur Lösung von Problemen bei der Kommunikation, Steuerung und Datenübertragung von Drohnen. Diese Technologien – ebenso wie eine stabile Datenverbindung – sind ein wesentlicher Bestandteil der Echtzeit-Entscheidungsfindung, des automatisierten Betriebs, der sicheren Datenspeicherung an Bord oder sogar des autonomen Betriebs.
Die Teilnehmer dieses Expertenworkshops glauben an ein großes B2B-Anwendungspotenzial der 5G/6G-Technologien in der Drohnenindustrie. Alle Experten waren sich jedoch einig, dass Pilotprojekte durchgeführt werden müssen, um den Weg für den realen Einsatz dieser Technologien zu ebnen. Daher müssen sowohl Forschungsaspekte als auch Anwendungsfälle im Voraus definiert und untersucht werden. Um dieses hohe Niveau der Forschungszusammenarbeit aufrechtzuerhalten, hat sich ein kooperativer Ansatz der Industrie und des Ökosystems als vielversprechende Methode erwiesen.
Darüber hinaus haben unsere Industriepartner Schwierigkeiten bei der Definition konkreter Anwendungsfälle für 5G im Drohnengeschäft geäußert. Diese Umstände zeigen, dass die Entwicklung und Umsetzung von 5G-Geschäftsfällen eine strategische Entscheidung ist, die Risiken, aber auch große Erfolgschancen mit sich bringt.
Es wird erwartet, dass sich 5G in den nächsten Jahren als dominierende Mobilfunktechnologie etablieren wird, während 6G die nächste Generation darstellt. Unsere Experten sind sich einig, dass 6G eine Verbindung zwischen der physischen, biologischen und digitalen Welt herstellen wird, in der intelligente Maschinenkommunikation nur eine von vielen Möglichkeiten ist. Diese Technologien müssen jedoch weiterentwickelt werden, um ihr volles Potenzial auszuschöpfen, insbesondere im Hinblick auf die Verbesserung der Effizienz und die Senkung der Kosten pro Bit. Konzepte wie Cloud Edge, Nano Cloud und Edge Computing – mit der damit verbundenen Verlagerung der Datenverarbeitung in die Nähe der Nutzer – können auch im Bereich der Drohnenforschung angewendet werden.
Derzeit werden die Technologie und ihre Möglichkeiten durch einen geringen Bekanntheitsgrad in der Öffentlichkeit und die Einschränkungen bei der Anwendung von 5G im Drohnenbereich überschattet. Darüber hinaus müssen auch mögliche negative Auswirkungen der Technologie untersucht werden, wie beispielsweise die Umweltauswirkungen von Datenübertragungen in großem Umfang. Dennoch sind durch die Anwendung von 5G direkte und indirekte Vorteile wie eine allgemeine Prozessoptimierung oder der Austausch von Echtzeitinformationen zu erwarten.
Mögliche Schwierigkeiten beim Betrieb von 5G-Kommunikationsnetzen in ländlichen und alpinen Gebieten wurden ebenfalls diskutiert. Nach Ansicht unserer Experten handelt es sich hierbei um eine Frage der Verteilung und Priorisierung des Datenverkehrs, die daher mit den Gesetzen und Vorschriften zur Netzneutralität zusammenhängt. Eine mögliche Beeinträchtigung der Funkkommunikation im C-Band – die den Flugverkehr beim Start und bei der Landung stören könnte – dürfte in Europa keine große Rolle spielen, da C-Band-Frequenzen nur selten genutzt werden.
Auswirkungen und Roadmaps
Abschließend wurden mögliche gesundheitliche Auswirkungen der 5G/6G-Technologien auf den Menschen diskutiert. Die Teilnehmer betonten, dass in den bisher durchgeführten Studien keine negativen Auswirkungen festgestellt werden konnten.
Darüber hinaus haben uns die teilnehmenden Experten von Nokia und Ericsson weitere informative Roadmaps und Dokumente zu diesem Thema zur Verfügung gestellt, die für interessierte Leser beigefügt sind.