Mit Drohnen in die Arktis – AIRlabs Austria unterstützte die Studierenden bei den Vorbereitungen auf Grönland-Expedition
Eisige Temperaturen, beeindruckende Gletscherlandschaften und unberechenbares Wetter – das erwartete das FHJ Arctic Expedition Team (AET) bei seiner Forschungsreise nach Sermilik in Ostgrönland – dem Standort der österreichischen Forschungsstation unter Leitung der Universität Graz. Gemeinsam mit Lehrenden der FH JOANNEUM sowie der ERASMUS-Partneruniversität Kopenhagen und weiteren internationalen Partner:innen machten sich die Studierenden auf den Weg in eine der entlegensten Regionen der Welt. Das Ziel: praxisnahe Forschung unter Extrembedingungen, bei der Drohnen eine zentrale Unterstützungs-Rolle spielten.
Damit diese Drohnen sicher und effizient eingesetzt werden konnten, hat AIRlabs Austria die Crew bereits Monate vor dem Start intensiv vorbereitet – mit einem maßgeschneiderten Trainings- und Schulungsprogramm.
Von null Erfahrung auf sicheren Drohnenbetrieb
Eine Schlüsselrolle im Drohneneinsatz übernahm eine Studierende der FH JOANNEUM. Um optimal auf ihre Aufgaben vorbereitet zu sein, startete sie ohne Vorerfahrung ins Training – und entwickelte sich Schritt für Schritt zur sicheren Drohnenpilotin.
Zunächst absolvierte Franziska, Studierende des Bachelorstudiengangs Luftfahrt an der FH JOANNEUM, den A1/A3 EU-Drohnenführerschein, um die grundlegenden rechtlichen und sicherheitsrelevanten Kenntnisse zu erwerben. Erst danach begann das intensive Praxistraining mit Kristóf Gombás, technischer Projektleiter und Operator bei AIRlabs Austria. Innerhalb von drei intensiven Trainingstagen erarbeitete sich Franziska Schritt für Schritt Fertigkeiten und Fähigkeiten, um Drohnen auch in anspruchsvollen Szenarien sicher zu fliegen.
Training beginnt am Boden
Der erste Trainingstag startete mit den Grundlagen: einer sorgfältigen Vorflug-Checkliste – ein wichtiger Schritt, um von Anfang an systematisch und sicher zu arbeiten. Dazu gehörten auch technische Einstellungen wie die Kalibrierung des Kompasses, die vor allem bei kleineren Modellen wie der DJI Mini 2 noch manuell durchgeführt werden muss.
Um die Steuerung von Grund auf zu erlernen, begann Franziska mit kleineren Drohnen wie der Mini 2 und der Mavic 2 Pro. Erst als Start- und Landeabläufe hier sicher saßen, wechselte sie auf die größeren Systeme – die DJI Matrice 300 RTK und die DJI Matrice 4T. Diese übernehmen zwar viele Funktionen automatisch, verlangen aber dennoch ein genaues Verständnis für alle Arbeitsschritte. Die gestufte Vorgehensweise half ihr, technisches Basiswissen aufzubauen, den Sinn hinter jeder Vorbereitung zu verstehen und die nötige Zeitplanung vor einem Flug realistisch einzuschätzen.
Orientierung meistern – auch ohne direkte Sicht
Nachdem die Grundlagen saßen, rückte als nächster Programmpunkt das sichere und präzise Steuern in den Fokus. Franziska übte zunächst einfache rechteckige Flugrouten in verschiedenen Höhen, um das Hoovern und die Richtungswechsel zu festigen. Ziel war es, die Bewegungen der beiden Joysticks zunächst einzeln zu trainieren, bevor sie gleichzeitig bedient werden mussten. Eine besondere Herausforderung stellte die Orientierung dar: Solange die Drohne in die gleiche Richtung blickte wie die Pilotin, war die Steuerung intuitiv.
Kristóf Gombás: „Dreht sich die Drohne jedoch, kehren sich die Steuerbefehle oft gefühlt um – eine typische Fehlerquelle für Einsteiger:innen. Um dieses Problem zu meistern, wurden gezielt Übungen eingebaut, bei denen Franzi die Drohne aus verschiedenen Blickrichtungen steuern musste.“
Später folgten komplexere Aufgaben wie das gleichzeitige Ändern von Höhe und Richtung, flüssige Flugbewegungen statt kantiger Muster sowie das Umfliegen von Baumgruppen im AIRlabs Testgebiet Steinalpl. Dabei wurden auch Elemente des BVLOS-Fliegens (Beyond Visual Line of Sight) geübt – als gezielte Vorbereitung auf spätere Einsätze außerhalb der Sichtweite.
Ein weiterer Trainingsbaustein bestand darin, Drohnen zwischen zwei Start- und Landeplätzen zu bewegen, die auf einer Linie lagen, während Franziska mittig versetzt, mit ca. 10 m Abstand zu den Start- und Landeplätzen, stand – eine Übung, die das Orientierungsvermögen unter erschwerten Bedingungen schärfte. Hierbei wurde der Schwierigkeitsgrad sukzessive erhöht, bis sie die Manöver auch unter leichtem Zeitdruck sicher beherrschte.
Schnelligkeit und Sicherheit im Ernstfall
Als nächster Trainingsschwerpunkt stand die Simulation realistischer Einsatzszenarien auf dem Programm – genau so, wie sie auch in Grönland hätten auftreten könnten. Kristóf Gombás, Trainingsleiter und Visual Observer, gab während des Flugs plötzliche Anweisungen, etwa das sofortige Landen wegen eines ‚fiktiven‘ Hubschrauberanflugs. In diesen Situationen stand nicht mehr das saubere Fliegen im Vordergrund, sondern das schnelle, sichere und richtige Reagieren unter Stress. Solche Übungen bereiteten Franziska gezielt auf Notfälle vor und halfen, Handlungsmuster zu festigen, die im Ernstfall keine Zeit zum Überlegen lassen.
Wie wertvoll diese Vorbereitung war, zeigte sich später auch in der Praxis. Holger Friehmelt, Leiter des Instituts Luftfahrt der FH JOANNEUM, berichtet von einem Zwischenfall während der Expedition.
Lernen, analysieren, bestehen
Kristóf Gombás betont, wie wichtig es sei, Fehler während des Trainings nicht nur zu akzeptieren, sondern aktiv zu analysieren und in weitere Übungen zu integrieren: „Gerade durch Fehler erkennt man, wo noch Schwierigkeiten bestehen – und kann das Training individuell anpassen.“
Nach Abschluss des Trainings legte Franziska den A2-Fernpilotenzeugnis-Test ab – und bestand mit Bravour.
Sicherheitsbasis für das gesamte Team
Da bei der Expedition mehrere Drohnen zum Einsatz gekommen sind, war es vorab allen Beteiligten wichtig, dass das gesamte Expeditionsteam ein Grundverständnis für sicheren Drohnenbetrieb besitzt.
Dafür führte Tom Bruchmann, technischer Projektleiter bei AIRlabs Austria, eine A1/A3-Schulung für knapp 20 Personen, darunter alle Expeditions-Teilnehmenden, durch, welche über die gängigen Inhalte der Prüfung hinausgingen. Insbesondere standen auch die Betriebssicherheit, Missionsdurchführung und lokale Herausforderungen im Fokus. Das Ergebnis: Alle bestanden die Prüfung auf Anhieb – und konnten nun als zusätzliche Operators oder Visual Observer agieren, Sicherheitsaspekte einschätzen und im Notfall unterstützen.
Drohnen in der Arktis – Forschung unter Extrembedingungen
Die Drohnentechnologie wurde in Grönland für vielfältige Forschungsfragen eingesetzt und unter extremen Bedingungen – Kälte, Wind und schwieriges Terrain stellten besondere Anforderungen an Mensch und Gerät. Genau deshalb sind gründliche Vorbereitung und fundiertes Drohnen-Know-how entscheidend für den Erfolg und die Sicherheit solcher Missionen.
Und dies hat sich auch bezahlt gemacht: Bei über 100 Flugstunden in Grönland war es mehr als beeindruckend, dass kein einziges Ersatzteil benötigt wurde. Darauf ist Holger Friehmelt, Leiter des Instituts Luftfahrt der FH JOANNEUM, besonders stolz – denn es zeigt, wie gewissenhaft alle gemeinsam gearbeitet haben.
Fazit: Teamwork, Präzision und Leidenschaft
Dank der engen Zusammenarbeit zwischen FH JOANNEUM, AIRlabs Austria und den Expeditionsteilnehmenden war das Team bestens gerüstet für den Einsatz in Grönland.
Franziska geht nun als ausgebildete Drohnenpilotin in die Arktis – unterstützt vom ehemaligen Luftfahrt-Studenten und Drohnenpiloten Bastian Wagner und einem bestens vorbereiteten Team, das nicht nur technisch, sondern auch sicherheitsseitig auf jede Herausforderung vorbereitet war.
Kristóf Gombás bringt es auf den Punkt: „Entscheidend ist, dass Pilot:innen in jeder Situation wissen, was zu tun ist – und das erreicht man nur durch Training, Erfahrung und Teamarbeit.“
Mit dieser Kombination aus Wissen, Technik und Einsatzbereitschaft lieferte das JOANNEUM Arctic Expedition Team nicht nur beeindruckende Forschungsergebnisse, sondern sie zeigten auch, wie Drohnentechnologie unter den härtesten Bedingungen eingesetzt werden kann.
Headerbild (v.l.n.r.):
©AIRlabs Austria
©Franziska Herzog
©Leonie Dunke