Betriebs- und Sicherheitsanalysen
für die AIRlabs UAS-Testgebiete Steinalpl und Frauschereck
Ausgangslage und Ziel
Die Fluggebiete von AIRlabs Austria sind eingebettet in eine für bemannte und zugelassene Luftfahrzeuge konzipierte Luftraumstruktur – ein Umfeld, das durch klare Regularien und definierte Verfahren geprägt ist. Die Nutzung dieses Raums durch unbemannte Luftfahrzeugsysteme (UAS) stellt daher eine besondere Herausforderung dar, da sie weit über die in der SORA (Specific Operations Risk Assessment) definierten Grundsätze hinausgeht. Technische, operative und ökologische Sicherheitsaspekte müssen hier in einem Umfeld berücksichtigt werden, welches ursprünglich nicht für unbemannte Systeme ausgelegt war.
Im Rahmen zweier Innovationsprojekte beauftragt von und in Zusammenarbeit mit Schiebel Elektronische Geräte – wurden die Testgebiete LO-R 9 (Steinalpl) und LO-R 11 (Frauschereck) eingehend analysiert. Ziel war es, ein umfassendes Betriebs- und Sicherheitskonzept zu entwickeln, das nicht nur die Anforderungen der jeweiligen spezifischen Testkampagnen erfüllt, sondern künftig auch als Grundlage für weitere Analysen mit anderen UAS-Systemen der AIRlabs-Community dient.
Die Schiebel Group – österreichische High-Tech-Expertise in der Luft
Die 1951 in Wien gegründete Schiebel Group zählt heute zu den international führenden Anbietern von unbemannten Luftfahrtsystemen. Das Unternehmen ist vor allem für den CAMCOPTER® S-100 bekannt – ein unbemanntes, senkrecht startendes und landendes Helikoptersystem (VTOL), das weltweit in Bereichen wie maritimer Überwachung, Grenzschutz, Such- und Rettungsmissionen oder Infrastrukturinspektion eingesetzt wird. Mit Niederlassungen in Wien, Wiener Neustadt, Frankreich, den USA, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Australien verbindet Schiebel österreichische Ingenieurskunst mit globaler Anwendungserfahrung.
Durch die Kooperation mit Schiebel konnten im Projekt reale Betriebsbedingungen eines großen, professionellen UAS einbezogen werden. Das ermöglichte es, praxisrelevante Anforderungen an Infrastruktur, Sicherheitsverfahren und ökologische Begleitprozesse zu identifizieren – ein entscheidender Schritt für die Weiterentwicklung der AIRlabs-Testgebiete.
Entwicklung des Betriebs- und Sicherheitskonzepts
Zentraler Bestandteil der Untersuchungen war die Analyse der Start- und Landeflächen (Take-off and Landing Areas, TLAs) in den beiden Testgebieten. Diese wurden hinsichtlich Topografie, Bodenbeschaffenheit, Erreichbarkeit und Einsehbarkeit geprüft. Schnell zeigte sich, dass Hindernisfreiheit und stabile Zufahrtsbedingungen, insbesondere in alpinem Gelände, maßgeblich für einen sicheren Betrieb sind. Die realen Testoperationen bestätigten außerdem, dass unvorhersehbare Faktoren – etwa die Anwesenheit unbeteiligter Personen oder Witterungseinflüsse – die Durchführung komplexer UAS-Missionen erheblich beeinflussen können.
Parallel dazu wurde ein Konzept zur Erfassung des ökologischen Footprints entwickelt. Dabei flossen sowohl die physische Infrastruktur und Energieversorgung als auch Geräusch-Emissionen und Flächennutzung ein. Mit dem CAMCOPTER® S-100 wurden exemplarische Lärmmessungen durchgeführt, um die akustische Wirkung größerer UAS im alpinen Raum zu quantifizieren.
Ein weiterer Fokus lag auf der Integration in bestehende Luftraumstrukturen und der Zusammenarbeit mit bemannten Akteur:innen. Hierfür wurden Kommunikationsprotokolle, Notfallverfahren und Koordinationswege – etwa mit der Austro Control, dem ÖAMTC und den lokalen Feuerwehren – ausgearbeitet. Diese enge Abstimmung trug wesentlich dazu bei, realistische Sicherheits- und Betriebsstandards zu entwickeln, die über den Projektrahmen hinaus anwendbar sind.
Lessons Learned
Die praktischen Testflüge und Analysen lieferten wertvolle Erkenntnisse, die künftig in die Planung und Durchführung von UAS-Einsätzen in vergleichbaren Umgebungen einfließen. Besonders deutlich wurde, dass die Integration von UAS in bemannte Luftraumstrukturen klar abgegrenzte und exklusiv nutzbare Testumgebungen erfordert, die über eine robuste Bodeninfrastruktur verfügen. Unvorhersehbare äußere Einflüsse – etwa das Geländeprofil, Vegetation oder der Besuchsverkehr – können den Betrieb erheblich beeinflussen und müssen bereits in der Missionsplanung berücksichtigt werden.
Auch der ökologische Aspekt erwies sich als zentral: Lärm- und Flächennutzung hängen stark vom Umfeld der Start- und Landeinfrastruktur ab und sollten in zukünftigen Konzepten gezielt adressiert werden. Ebenso wichtig ist die gute Erreichbarkeit und Einsehbarkeit der TLAs – vor allem in alpinen Regionen, wo Topografie und Witterung oft limitierende Faktoren darstellen.
Im Hinblick auf Sicherheitsmanagement zeigte sich, dass ein enger Austausch mit lokalen Feuerwehren und Behörden unentbehrlich ist, um im Notfall rasch und koordiniert reagieren zu können. Darüber hinaus haben sich digitale Werkzeuge zur Missionsplanung und Betriebsdokumentation als besonders hilfreich erwiesen, um Transparenz, Nachvollziehbarkeit und behördliche Nachprüfbarkeit zu gewähren.
Zusammenarbeit mit Feuerwehren und Notfallabläufe
Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts war die Definition klarer Notfallverfahren in enger Abstimmung mit den zuständigen Bezirks- und freiwilligen Feuerwehren. Bereits im Vorfeld der Testkampagnen wurden die relevanten Einheiten identifiziert und über das
geplante Vorhaben informiert. Die Feuerwehr erhielt dafür Kartenmaterial im Maßstab 1:50.000 mit eingetragenen Koordinaten der Start- und Landeplätze, sodass im Ereignisfall eine schnelle Lokalisierung möglich ist.
Für jeden TLA wurde eine zuständige Gemeinde festgelegt, die im Alarmfall automatisch eingebunden wird. Die Alarmierung erfolgt standardisiert über die Notrufnummer 122, wobei in der Einsatzmeldung stets die Art des Vorfalls, das betroffene Gelände sowie etwaige Gefahrstoffe angegeben werden. Insbesondere bei Testflügen mit großen Systemen wie dem CAMCOPTER® S-100 wurden dabei relevante Stoffe wie AvGas, Li-Io-Akkumulatoren oder Verbundmaterialien berücksichtigt, um mögliche Szenarien realistisch abbilden zu können.
Ein direktes Kontaktieren einzelner Feuerwehrkommandos wird vermieden, um die Einsatzkoordination zu zentralisieren. Am jeweiligen Start- oder Landeplatz treffen Einsatzkräfte und Betreiber zusammen, um die letzten bekannten Koordinaten sowie Informationen zum Fluggerät abzugleichen und das weitere Vorgehen abzustimmen. Dieses Verfahren hat sich als effizient und verständlich für alle Beteiligten erwiesen.
Schnittstelle zu bemanntem Flugbetrieb und ÖAMTC
Zur Gewährleistung der Flugsicherheit in gemeinsam genutzten Lufträumen wurde zudem eine enge Kooperation mit dem ÖAMTC etabliert. Künftig dient die ÖAMTC-App als zentrale Kommunikationsplattform, über die Drohnenflüge gemeldet und mit bemannten Akteur:innen – etwa SAR-Einheiten oder Polizeihubschraubern – geteilt werden können. Diese digitale Schnittstelle ermöglicht die Darstellung von Drohnenoperationen in der Euro Nav Moving Map des Helikopters EC135T3 Helionix und schafft so Transparenz für bemannte Crews.
Um eine eindeutige Kommunikation sicherzustellen, wurde gemeinsam mit dem ÖAMTC eine standardisierte Funkphraseologie entwickelt und erfolgreich erprobt. Damit ist eine einheitliche Funkkommunikation auf VHF-Frequenzen möglich, die Fehlinterpretationen minimiert. Eine telefonische Vorabinformation an die Helikopter-Stützpunkte wird hingegen nicht mehr empfohlen, da sie fehleranfällig sein kann und durch die App-basierte Anmeldung ersetzt wird. Dieses Vorgehen trägt wesentlich dazu bei, Risiken in gemeinsam genutzten Lufträumen zu reduzieren und die Integration unbemannter Systeme in den regulären Flugbetrieb weiter zu professionalisieren.
Ergebnis und Ausblick
Das gemeinsam mit der Schiebel Group entwickelte Betriebs- und Sicherheitskonzept liefert eine belastbare Grundlage für künftige UAS-Operationen in komplexen Testumgebungen. Es zeigt auf, welche infrastrukturellen und organisatorischen Voraussetzungen notwendig sind, um unbemannte Systeme sicher in bemannten Luftraum zu integrieren – und welche ökologischen Begleitfaktoren dabei berücksichtigt werden müssen.
Gleichzeitig ist das Konzept so angelegt, dass es auch für andere Systeme und künftige Projekte innerhalb der AIRlabs Austria-Community genutzt werden kann. Damit leistet es einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung standardisierter, sicherer und nachhaltiger Betriebsverfahren für UAS in Österreich und darüber hinaus.