Generische SORA für BVLOS-Inspektionen über besiedeltem Gebiet
Ein Innovationssprung für die UAV-Branche
Die drohnengestützte Inspektion von Stromleitungen ist längst Stand der Technik. Doch während UAVs in vielen industriellen Anwendungen bereits Routine sind, verhindert ein zentraler Faktor nach wie vor ihren breiten Einsatz: die regulatorische Komplexität. Vor allem BVLOS-Betriebe (Beyond Visual Line of Sight) über besiedeltem Gebiet sind zwar technisch möglich, bleiben jedoch aufgrund standortgebundener Betriebsbewilligungen wirtschaftlich kaum skalierbar.
Gemeinsam mit BLADESCAPE setzt AIRlabs, genau an dieser entscheidenden Stelle an. Ziel des Innovationsprojekts ist es, erstmals eine generische Betriebsbewilligung für BVLOS-Einsätze über bewohntem Gebiet zu entwickeln – inklusive eines belastbaren Bewertungs- und Genehmigungsprozesses, der über einzelne Technologien hinausgeht und weit über den konkreten Anwendungsfall der Stromleitungsinspektion hinausweist. Gelingt dieser Paradigmenwechsel, könnte die österreichische UAV-Branche schon bald auf gänzlich neue Betriebsmodelle zugreifen: standortunabhängig, wirtschaftlich, sicher und regulatorisch belastbar.
Warum generische Bewilligungen die Zukunft sind
Derzeit basieren BVLOS-Betriebsgenehmigungen im europäischen Rechtsrahmen fast ausschließlich auf präzisen, ortsgebundenen SORA-Analysen. Dieser Ansatz ist logisch, aber teuer und unflexibel. Jeder neue Einsatzort bedeutet eine neue Bewilligung – selbst dann, wenn Prozesse, Systeme und Risiken identisch sind. Dadurch verlieren Betreiber wertvolle Zeit und Skalierungspotenzial.
Eine generische SORA setzt genau hier an: Sie definiert einen regulatorischen Rahmen, der nicht an einen Standort gebunden ist, sondern an überprüfbare Standards im Betrieb, in der Technologie und in den Risikominderungsmaßnahmen. Damit wird UAV-Technologie erstmals so nutzbar, wie Industriekunden sie benötigen: on-demand und standortunabhängig, bei gleichzeitig klar strukturierten administrativen Verfahren.
Methodisches Vorgehen: Drei Schritte in Richtung generischer BVLOS-Betrieb
Um dieses Ziel zu erreichen, wurde ein klar strukturierter Ansatz verfolgt:
Präziser Drohnenbetrieb über besiedeltem Gebiet
Das Herzstück des Projekts: ein vollständiges Betriebskonzept in der Kategorie Specific, inklusive detaillierter Verfahren, Crew-Qualifikationen, Sicherheitsmanagement und Contingency-Strategien.
Generischer Drohnenbetrieb über besiedeltem Gebiet
Durch die Anwendung der präzisen Bewilligung werden Flugstunden gesammelt und der Behörde vorgelegt. Auf dieser Grundlage wird die Möglichkeit einer generischen Genehmigung gemeinsam mit der Behörde evaluiert. Die Weiterführung dieses Schrittes ist nach Projektende vorgesehen und setzt eine entsprechende behördliche Bewertung voraus.
Wissenstransfer & Dissemination
Die geplante Live-Demo verzögert sich, bleibt jedoch bestehen. Die Ergebnisse werden – vorbehaltlich gemeinsamer Freigabe – aktiv in die Community getragen.
Risiko-Management im Genehmigungsprozess: Bevölkerungsdichte als ein Baustein
Der risikorelevante Knackpunkt bei BVLOS-Flügen über Städten ist das Bodenrisiko. SORA-Methodiken klassifizieren es konservativ – bisher meist anhand statischer Bevölkerungsdaten mit begrenzter Aussagekraft.
Im Projekt wurde dieser Aspekt als Teil des übergeordneten Genehmigungsprozesses von BLADESCAPE, gemeinsam mit spezialisierten Partnern, auf innovative Weite weitergedacht und um ergänzende Bewertungsansätze erweitert. Dabei kamen auch dynamische Bevölkerungsdaten als unterstützendes Element zum Einsatz, um betriebliche Entscheidungen im Rahmen der Missionsplanung nachvollziehbar abzusichern. Überschreiten definierte Parameter während des Betriebs festgelegte Schwellenwerte, sind entsprechende betriebliche Maßnahmen vorgesehen, bis hin zur Unterbrechung einzelner Flugabschnitte. Für diese Fälle wurden abgestimmte Contingency-Verfahren definiert, um den Drohnenbetrieb kontrolliert und regelkonform anzupassen.
Von Risikoanalyse zu SAIL II: Der Bewertungsprozess im Überblick
Projektstatus und Ausblick
Obwohl die finale Behördenfreigabe noch aussteht, hat das Projekt einen entscheidenden Meilenstein erreicht: Es liegt ein ausgearbeiteter und regulatorisch anschlussfähiger Prozessentwurf vor, der als Grundlage für die weitere Entwicklung zukünftiger BVLOS-Anwendungen dienen kann.
Mit dem Abschluss des Innovationsprojekts am 31. Dezember 2025 enden die operativen Tätigkeiten im Rahmen der bestehenden Förderung, jedoch nicht die Vision. BLADESCAPE und AIRlabs planen, die begonnenen Entwicklungen ab 2026 fortzuführen und den generischen Ansatz schrittweise weiterzuentwickeln und in Richtung einer möglichen Bewilligung zu führen.
Die gewonnenen Erkenntnisse fließen – vorbehaltlich gemeinsamer Zustimmung – in die Fachcommunity ein. Im Fokus stehen dabei insbesondere die Erfahrungen aus der regulatorischen Bewertung sowie die entwickelten Prozesslogiken zur strukturierten Bodenrisikobewertung im Genehmigungsumfeld, die als Input für zukünftige Genehmigungsansätze dienen können.
Fazit: Ein Schritt in Richtung skalierbarer UAV-Infrastruktur
Mit der Entwicklung eines präzisen BVLOS-Betriebskonzepts über bewohntem Gebiet und dem Einsatz dynamischer Risikodaten gehen BLADESCAPE und AIRlabs einen Schritt, der weit über die Inspektion von Stromleitungen hinausreicht. Hier wird kein einzelner Use Case adressiert, sondern ein übertragbarer Ansatz, der perspektivisch zur Weiterentwicklung bestehender Standards beitragen kann.
Die UAV-Branche braucht Lösungen, die regulatorisch tragfähig, operativ effizient und technologisch skalierbar sind. Dieses Projekt zeigt, wie ein solcher Weg aussehen kann.