AIRlabs bei Moving Slovenia 9.0
Wie kann Europa seine Logistik in einer zunehmend komplexen Welt resilient und zukunftsfähig gestalten?
Mit dieser Frage beschäftigte sich am 22. Oktober 2025 die Fachveranstaltung „Moving Slovenia 9.0 – Logistik am Wendepunkt: Europa zwischen China, den USA und regionalen Herausforderungen“ im Congress Center Brdo pri Kranju.
Grenzüberschreitende Zusammenarbeit für die Logistik der Zukunft
Organisiert wurde die Konferenz von der Außenwirtschaft Österreich – dem AußenwirtschaftsCenter Laibach – gemeinsam mit der größten slowenischen Wirtschaftszeitung Finance. Im Rahmen der österreichisch-slowenischen Wirtschaftsmission lag der thematische Schwerpunkt auf Logistik, Infrastruktur und Mobilität.
Die Veranstaltung brachte Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Forschung und Politik aus beiden Ländern zusammen, um aktuelle Herausforderungen und Zukunftsperspektiven der europäischen Logistik zu beleuchten. Unterstützt wurde sie von der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) sowie Advantage Austria, dem internationalen Netzwerk der WKO, das österreichische Unternehmen weltweit bei ihrer Export- und Innovationsarbeit begleitet und grenzüberschreitende Kooperationen fördert (Moving Slovenia 9.0-WKO)
Kooperation als Schlüsselfaktor
Gerade in der Logistik zeigt sich, wie entscheidend grenz- überschreitende Zusammenarbeit für Innovation und Wett- bewerbsfähigkeit ist – sei es beim Ausbau multimodaler Transportkorridore, bei nachhaltiger Infrastrukturentwicklung oder in der digitalen Transformation von Lieferketten.
Die Wirtschaftskammer Österreich (WKO) und Advantage Austria fördern diesen Austausch gezielt, indem sie österreichische und slowenische Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Behörden miteinander vernetzen und damit den Boden für gemeinsame Innovationsprojekte bereiten.
Ein besonders gelungenes Beispiel für die Verbindung von Wirtschaft und Wissenschaft ist die FH JOANNEUM – eine Hochschule für angewandte Wissenschaften, die diese Themenfelder gezielt adressiert und praxisnahe Fachkräfte dafür ausbildet. Damit leistet die Hochschule einen wichtigen Beitrag, um dem Fachkräftemangel langfristig entgegenzuwirken.
Darüber hinaus bringt die FH JOANNEUM mit dem Institute of Aviation eine weitere zentrale Perspektive in diesen Dialog ein. Forschungsschwerpunkte wie ressourcenschonende Technologien, CO₂-Reduktion und Energieeffizienz stehen hier im Mittelpunkt – Themen, die nicht nur in der Luftfahrt selbst, sondern zunehmend auch für die Gesamtlogistik von Bedeutung sind.
Gemeinsam mit AIRlabs Austria, das als nationales Drohnen-Test- und Innovationslabor die Schnittstelle zwischen Forschung und Praxis bildet, arbeitet die FH JOANNEUM daran, diese Expertise in konkrete Projekte zu überführen. So entstehen Lösungsansätze, die zeigen, wie sich Nachhaltigkeit, Effizienz und technologische Innovation künftig auch in der Luft- und Drohnenlogistik vereinen lassen.
Europa zwischen geopolitischen Spannungen und technologischer Transformation
Die diesjährige Konferenz machte deutlich: Die Logistik in Europa steht an einem Wendepunkt.
Einerseits führen geopolitische Spannungen – insbesondere zwischen den USA und China – zu erheblichen Unsicherheiten in den globalen Lieferketten. Andererseits verändert die rasante technologische Entwicklung die Spielregeln: Digitalisierung, Automatisierung und datenbasierte Entscheidungsprozesse prägen zunehmend die strategische Ausrichtung der Branche.
Darüber hinaus steht die Branche derzeit vor einer Reihe struktureller Herausforderungen. Laut aktuellen Analysen (European Investment Bank „Navigating supply chain disruptions“; NTT Data „Logistics in Europe in 2025“) sind insbesondere Rohstoffknappheit, Fachkräftemangel, steigende Energie- und Transportkosten sowie unsichere Handelsrouten zentrale Themen, die die europäische Logistiklandschaft derzeit prägen und Unternehmen zu einer Anpassung ihrer Strategien zwingen.
Zugleich rücken Themen wie Nachhaltigkeit, Resilienz und Dekarbonisierung in den Fokus: Der Druck, Emissionen zu senken und gleichzeitig Kosten und Lieferzeiten zu optimieren, zwingt Unternehmen dazu, neue Wege zu denken – vom Energiemanagement über den Einsatz erneuerbarer Antriebe bis hin zu alternativen Transportmodellen.
AIRlabs Austria: Ein Blick in die Zukunft der Logistik
Mit dem Vortrag „Advanced Aerial Mobility – Chances and Obstacles for NEW Logistics in Europe“ brachte AIRlabs Austria eine visionäre Perspektive in die Diskussion ein. Während viele Gespräche auf der Veranstaltung noch von den aktuellen Herausforderungen der Logistikbranche geprägt waren – etwa Infrastrukturengpässen, Fachkräftemangel oder regulatorischen Unsicherheiten – zeigten Holger Friehmelt (Institutsleiter Luftfahrt an der FH JOANNEUM und technisch-wissenschaftlicher Direktor von AIRlabs Austria) und Kristóf Gombás (technischer Projektleiter bei AIRlabs Austria), welche Rolle Drohnen künftig im europäischen Logistiksystem spielen können.
Anhand konkreter Anwendungsszenarien wurde deutlich, wie vielseitig der Einsatz von Drohnen in der Logistik sein kann: von der Versorgung abgelegener Regionen mit lebensnotwendigen Gütern über zeitkritische Transporte – etwa Blutproben, Defibrillatoren oder medizinische Notfalllieferungen – bis hin zu Einsätzen in der Landwirtschaft und im Umweltmonitoring. Anwendungen in der Wildtierüberwachung oder der Präzisionslandwirtschaft verdeutlichten, wie luftgestützte Technologien einen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit und Effizienz leisten können.
Auch das wirtschaftliche Potenzial dieser Entwicklung ist beachtlich. Studien zufolge könnte der europäische Markt für Drohnenlogistik bis 2050 ein Volumen von über 600 Milliarden Euro erreichen. Wachstumstreiber sind dabei die zunehmende Bedeutung von CO2-Reduktion, der Druck zur Entlastung urbaner Verkehrsnetze sowie der Bedarf an einer verbesserten Versorgung ländlicher Regionen.
Gleichzeitig wurde in der Diskussion deutlich, dass der Weg von der Forschung hin zum breiten Praxiseinsatz noch anspruchsvoll ist. Wirtschaftlich erfordert der Aufbau einer tragfähigen Drohnenlogistik neue Geschäftsmodelle und angepasste Kostenstrukturen. Regulatorisch stellen insbesondere BVLOS-Anforderungen, Fragen des Datenschutzes und Lärmschutzaspekte hohe Hürden dar. Auch technologisch bleibt noch Entwicklungsarbeit zu leisten – etwa in den Bereichen Flugstabilität, Wetterresilienz und automatisierte Konfliktvermeidung.
Trotz dieser Herausforderungen zeigt sich, dass Innovation in der Logistik längst nicht mehr nur am Boden stattfindet. Drohnen können mittelfristig dazu beitragen, Transportketten effizienter, sicherer und umweltfreundlicher zu gestalten – vorausgesetzt, Forschung, Regulierung und Wirtschaft arbeiten gemeinsam an tragfähigen Lösungen.
AIRlabs Austria als Test- und Innovationsplattform
Wir bei AIRlabs Austria schaffen eines der umfassendsten Umfelder für Forschung, Entwicklung und Erprobung unbemannter Luftfahrtsysteme in Österreich. Als vom BMIMI im Rahmen des FFG-Programms TAKE OFF gefördertes Innovationslabor begleiten wir Drohnentechnologien entlang der gesamten Entwicklungskette – von der Idee bis zum operativen Einsatz.
Dank der hohen technischen Expertise in unserem Team verbinden wir technologische, regulatorische und operationelle Fragestellungen zu einem ganzheitlichen Ansatz. So können wir reale Einsatzbedingungen abbilden, Grenzen frühzeitig erkennen und Wege aufzeigen, um sie zu überwinden. Besonders im regulatorischen Kontext bringen wir umfangreiche Erfahrung und Wissen ein – etwa im Bereich SORA, Genehmigungsprozesse und Betriebssicherheit – und unterstützen damit den Weg von der Innovation hin zur realen Anwendung.
Unsere vier offiziellen Testgebiete – LO-R 9 Steinalpl, LO-R 10 Reichersberg, LO-R 11 Frauschereck und LO-R 12 Hochkar – bieten ideale Bedingungen für Drohnenoperationen im Sichtflug (VLOS) und im erweiterten Betrieb (BVLOS). Die geografische Vielfalt – von alpinem Gelände bis zu weitläufigem Flachland – ermöglicht es uns, Systeme und Anwendungen unter realen Wetterbedingungen zu prüfen und praxisnahe Testszenarien zu entwickeln, die den späteren Einsatzbedingungen entsprechen.
In diesen Umgebungen können neue Technologien, Hardwarekomponenten und Use Cases getestet, Trainings durchgeführt und ganze Missionsabläufe validiert werden. Darüber hinaus greifen wir auf die spezialisierte Infrastruktur unserer Partner:innen zurück – darunter modern ausgestattete Labore, Simulationsplattformen und Windkanäle –, um Drohnensysteme über ihren gesamten Entwicklungsprozess hinweg zu unterstützen.
Gemeinsam mit unserem breiten Netzwerk aus Industrie, Forschung und Behörden schaffen wir so ein Test- und Innovationsumfeld, das den Transfer technologischer Entwicklungen in reale Anwendungen beschleunigt und nachhaltige Impulse für die Zukunft der europäischen Drohnenindustrie setzt.
End-to-End-Kompetenz entlang der Innovationskette
Unsere Arbeit endet nicht bei der technischen Erprobung. Wir verstehen uns als Partner über den gesamten Innovationsprozess hinweg – von der ersten Konzeptidee über die Entwicklung und Integration bis hin zur Umsetzung in reale Anwendungen. Dabei kombinieren wir technisches Know-how mit fundierter Erfahrung im regulatorischen und operationellen Umfeld, um neue Technologien sicher, effizient und rechtskonform in die Praxis zu überführen.
Durch diese enge Verzahnung von Forschung, Testbetrieb und Behördenexpertise können wir frühzeitig erkennen, wo in der Umsetzung Grenzen bestehen – und gemeinsam mit unseren Partner:innen Wege entwickeln, diese zu überwinden. So entstehen Lösungen, die nicht nur technologisch, sondern auch wirtschaftlich und rechtlich tragfähig sind.
Dieser systemische Ansatz spiegelt sich auch in unseren Forschungsprojekten wider – etwa in Sense & Avoid, wo wir an der automatisierten Konfliktvermeidung zwischen Luftfahrzeugen arbeiten, oder im Projekt IFIRE, das sich mit der sicheren Erprobung von Drohnen unter realen Vereisungsbedingungen beschäftigt. Beide Projekte schaffen Grundlagen, die entscheidend dafür sind, dass Drohnen künftig zuverlässig, sicher und langfristig auch in logistische Prozesse integriert werden können.
Innovation beginnt mit dem ersten Schritt
Die Moving Slovenia 9.0 hat eindrucksvoll gezeigt, dass die Logistikbranche vor großen Aufgaben steht – von geopolitischen Spannungen über Fachkräftemangel bis hin zu den wachsenden Anforderungen an Nachhaltigkeit und Effizienz. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Innovation genau dort beginnt, wo bestehende Strukturen auf neue Technologien treffen.
Für uns bei AIRlabs Austria war die Veranstaltung eine wertvolle Gelegenheit, diese Perspektive einzubringen und zu zeigen, wie Drohnen künftig als Teil eines vernetzten Logistiksystems einen echten Mehrwert schaffen können. Der offene Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Forschung und Politik hat verdeutlicht, wie wichtig es ist, heutige Herausforderungen und zukünftige Lösungen gemeinsam zu denken.
Besonders spannend war dabei der Dialog mit etablierten Akteuren der Logistik wie der Österreichischen Post und der Pošta Slovenije, die in ihren Beiträgen innovative Ansätze zur Automatisierung und nachhaltigen Zustellung präsentierten. Diese Kombination aus praktischer Erfahrung, wirtschaftlicher Umsetzung und technologischer Forschung zeigte eindrucksvoll, wie wertvoll Zusammenarbeit über Landes- und Branchengrenzen hinweg ist, um die Logistik von morgen zu gestalten.
Als Brücke zwischen Forschung, Industrie und Behörden setzen wir uns dafür ein, dass neue Technologien nicht nur entwickelt, sondern auch sicher und verantwortungsvoll in die Praxis überführt werden. Denn Innovation entsteht nicht über Nacht – sie wächst mit jedem Schritt, den wir gemeinsam gehen.
Quellen
European Investment Bank Group (2024). Navigating supply chain disruptions: New insights into the resilience and transformation of EU firms. Online: https://www.eib.org/en/publications/20240179-navigating-supply-chain-disruptions
La Haye Stan (2025). Logistics in Europe in 2025: what to expect and how to proceed. Online: https://services.global.ntt/en-us/insights/blog/logistics-in-europe-in-2025-what-to-expect-and-how-to-proceed
WKO (2025). Moving Slovenia 9.0. Online: https://online.wko.at/events/event/detail.html?~cid=1&eventId=1836403665510860990